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Liebe ist
nicht nur ein Wort......
Von Ute Vorkoeper
Zu klären, was es mit diesem
größten aller Gefühle auf sich hat, ist aussichtslos. Die Künstler
der letzten Staffel unserer Serie versuchen, sich dieser
Unmöglichkeit zu nähern.
Ganz offenbar muss der Liebe
nachgeholfen werden. Nicht nur, dass TV-Soaps dem gierigen Publikum
immer neue, manchmal obskure Wege zur Liebe zeigen wollen, auch
suchen Menschen vermehrt bei Partnervermittlungen und auf
Single-Partys nach Glück. Am schnellsten und günstigsten geht das
bei Partnerbörsen im Internet.
Man klickt durch lange
Bildergalerien mit Visitenkarten und filtert diejenigen aus, die den
besten Eindruck machen. Dann beginnt man zu flirten. Später kann man
die Geschichte der geglückten Liebe online stellen - mit innigen
Danksagungen an die Vermittler.
Denn auch den Liebesuchenden online
geht es eigentlich nie ums schnelle Glück. Es geht um die Liebe des
Lebens oder die erhoffte zweite Chance. Es geht um etwas Großes,
vielleicht sogar ums Kinderkriegen vor lauter Liebe, in jedem Fall
um eine neue, unbekannte Stufe der Liebe.
Nüchtern betrachtet meint Liebe die
emotionale Hinwendung und unwirtschaftliche Selbstverschwendung an
etwas - sei es an andere Menschen oder an sich selbst, an Blumen und
Pflanzen, eine Heimat, an eine Idee oder an die Arbeit.
Dabei ist im Begriff der Liebe die
ganze Welt verborgen und geborgen. Sie ist Rausch, der nackte
Wahnsinn, totale Erregung. Sie ist unendlich erhaben,
tiefschmerzhaft beglückend oder beiläufig selbstverständlich und
umfließende Geborgenheit. Sie ist fordernd oder schenkend, sie ist
vergebend bis zur Selbstaufgabe, bis zum dramatischen Verlust, bis
zum Horror des Verlassenseins.
Es gibt niemanden, dessen Leben
nicht ums Finden und Verlieren von Liebe gefügt ist. Sie ist eben
nie gegeben. Sie tritt oder bricht ein, sie entwickelt sich und wird
gelebt, jeden Tag alt und neu zugleich. Sie wächst oder sie geht
ein. Die Liebe, die ein ganzes Leben währt, ist das seltenste
Geschenk.
Liebe betrifft oder streift alles,
was zwischen Geburt und Tod passiert, das Handeln, Denken, Wissen
und
den menschlichen Glauben*.
Platon
unterschied Eros - die begehrende, sinnliche Liebe - von
Philia,
der Freundschaft, und
Agape,
der selbstlosen Nächstenliebe. Daneben beschrieb er auch die
verwandte
Stoika,
die Hingabe an ein Interesse.
Über die abendländische,
christliche Geschichte gab es ungezählte Auslegungen dieser ersten
Theorie, die aber meist in der Gegenüberstellung von Gottes-,
Nächstenliebe und erotischer Liebe endeten. Noch die sog. sexuelle
Revolution des 20. Jahrhunderts behauptete sich als Befreiung einer
zuvor unterdrückten körperlichen Liebe.
Doch diese Behauptung ist heute
nicht nur in ihrer
Vermeintlichkeit,
sondern auch in ihren unfreien Konsequenzen offenbar geworden. Die
"freie Liebe" hat die Menschen weniger befreit als sie schutzlos und
unmittelbar unter die Herrschaft der Körper und Medien gebracht.
Der Jugendwahn der westlichen
Gesellschaften gründet sich schließlich auf der verinnerlichten
Annahme, dass jeder einzelne für die Jugend und Schönheit seines
Körpers und damit für sein Lebens- und Liebesglück verantwortlich
ist. Die richtigen Glücksvorstellungen sind dabei vorgegeben und
können entsprechend nachgelebt werden.
Liebe aber ist nicht Eros, der
nicht Sex ist, der nicht Liebe ist. Doch sie gehören zusammen. Dass
sie nicht in einander aufgehen, ist wohl das Geheimnis jeder
emotionalen und geistigen Zuneigung, die nicht Idee bleibt und doch
die körperliche Lust überschreitet.
Eine Hingabe an andere Menschen
oder ein Tun, das schrieb Platon bereits, ist ohne Eros undenkbar.
Und wie wäre ohne Eros die innige, liebende Umarmung eines Kindes
denkbar? Der Rausch ? Sex - aber ist anders. Er ist der Liebe
zwischen einander erotisch anziehenden Partnern egal welchen
Geschlechts zusätzlich geschenkt. Und in diesem Rausch können Kinder
gezeugt werden. Können.
Muss man sich heute mehr denn je um
die Liebe sorgen? Sicher ist, dass wenn sie fehlt oder ausbleibt, es
schlecht bestellt ist um uns. Dann regiert einer ihrer Widersacher,
sei es Hass, Angst oder Gleichgültigkeit. Sorgt man sich allerdings
zu sehr, verfehlt man sie ebenfalls leicht. Hier zeigt sich der
ganze Abgrund des Wollens.
Denn Liebe stellt sich am wenigsten
ein, wenn man sie erzwingen will. Man stürzt in eine traurige
Farce (Verhöhnung). Auch verschwindet sie besonders
schmerzhaft, wenn man sie mit allen Mitteln bewahren will. Und
selbst wenn eine Liebe lebt, kann das Leben, kann der Tod sie
unvorhergesehen durchkreuzen und vernichten.
Es ist schwer zu lernen, dass man
sich in einen Abschied ebenso schicken muss wie zuvor in die Liebe.
Das Feld der Liebe einschließlich Erotik und Sex ist nach wie vor
derart kompliziert, dass man es nicht leicht entwirren und
darstellen kann. Aber man kann sich den beschriebenen
Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten nähern, sie anders zeigen und
lösen, als es die täglichen Seifenopern tun. Und genau das versuchen
die Künstler der letzten Staffel "Kunst für die nächste Generation".
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